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Chronik der Katastrophe

(angelehnt an Bull. Murithienne, Ignace Marietan, 1960)

1714

«Am 23. September 1714, einem Sonntag zwischen 2 und 3 Uhr nachmittags, brach der westliche Teil der Diablerets auf die Alp Fricaut, die 2/3 der Alp Zeveillie (Cheville) einnahm, wo bis zu jener Stunde 140 Kühe während elf Wochen ihre Nahrung fanden.

Im Mittelpunkt des Sturzgebietes formen Felsblöcke Anhäufungen von 300 Ruten Höhe und mehr.

Vier Bergbäche wurden in ihrem Lauf angehalten oder umgeleitet: der Pissot, der aus den Gletschern entspringt (Tchiffa), die Lizerne im Osten, die Zeveillance, die aus der Alp von Zeveillie (Cheville) kommt, und die Derborence mit Quelle auf der Alp von Darbon (Derbon).

Der Bergsturz hat den Tod von 15 Menschen verursacht, Frauen und Männer jeden Alters. Ein einziger Leichnam konnte geborgen werden: derjenige der schwangeren Schwester von H. du Four, dem Pfarrer von Vétroz. Die übrigen wurden so tief unter dem Geröll verschüttet, dass es keinerlei Hoffnung gab, sie jemals freizulegen. Es gab mehr als 100 verschüttete Rinder; die Anzahl der verschwundenen Schafen, Ziegen und Schweinen ist nicht ermittelbar. Die Katastrophe hat den Himmel plötzlich verdunkelt, und zwar so sehr, dass der Tag in eine tiefe Nacht gehüllt wurde. Der Staub, der in die Luft aufstieg, breitete sich so dick über die benachbarten Almen, dass alles Vieh evakuiert werden musste. Bei diesem grossen Unheil hat die Güte Gottes einige Menschen vor einem gewaltsamen Tod bewahrt, damit sie von seiner heiligen Gerechtigkeit und seiner unendlichen Barmherzigkeit Zeugnis ablegen können. »

1749

Der Bergsturz des unteren Teils der Felswand der Diablerets im Jahre 1714 hatte den Gipfel Tete de Barme destabilisiert. 35 Jahre später - am 23. Juni 1749 - stürzte schliesslich Le Derochoir, einer der beiden Berggrate, ab. Die riesigen Geröllmassen, die durch die beiden Katastrophen entstanden waren, erstrecken sich über eine Länge von 5 Kilometern. Geologen schätzen ihr Volumen auf 50 Millionen Kubikmeter.

Beim zweiten Sturz bildete sich der See von Derborence, der somit zum jüngsten natürlichen See Europas wurde.



Der Roman „Derborence“ des Schriftstellers C.F. Ramuz und der gleichnamige Film des Regisseurs F. Reusser haben sehr zum Bekanntheitsgrad unseres Tals beigetragen.


"Derborence, das Wort klingt sanft; sanft und etwas traurig klingt es in uns nach. Es beginnt mit einem festen und bestimmten Laut, dann zögert es und sinkt, noch während man es klingen lässt, ins Leere: Derborence; als wollte es so auf den Untergang, auf die Einsamkeit und das Vergessen deuten. […] Derborence, das ist zunächst ein Stück Winter, das uns mitten im Sommer entgegentritt, denn der Schatten verweilt dort fast den ganzen Tag, und hält sich noch, wenn die Sonne am höchsten steht. Und man sieht, dass es da nur noch Steine gibt, Steine und nochmals Steine."

Aus : C. F. Ramuz - Derborence

Bibliographie

Derborence – Roman de C.-F. Ramuz / Editions Grasset Paris
Derborence et la Vallée de la Lizerne – Th. Kuonen / Editions Monographic, Sierre
La Salamandre, la revue des esprits curieux de nature – Revue no 156 / 2003
Bulletin de La Murithienne – Ignace Mariétan, 1960 / Médiathèque Valais Sion
Des Coteaux du Soleil à Derborence – Roger Fellay, Ardon / Photos G. Laurent